Lichtverschmutzung – muss das sein?

Auf dem Weg zum Supermarkt hörte ich den Audible Podcast „Planet A“ zum Thema Lichtverschmutzung. Schon seit geraumer Zeit beschäftigt mich dieses Thema immer wieder, wenn ich die Abenddämmerung beobachte und bei bewölkten Tagen bemerke, dass diese ab einem gewissen Punkt nicht mehr dunkler, sondern wieder heller wird. Das liegt an der Rückstrahlung des Stadtlichts durch die Wolken. Doch was genau ist so schlimm an dieser Lichtverschmutzung[1]?

Keine Sterne mehr

Davon hat vermutlich schon jeder mal gehört – dank der Lichtverschmutzung in unseren Städten sieht man nur noch an wenigen Orten alle Sterne des Horizonts. Der „Weltatlas der Lichtverschmutzung“ dokumentiert, wie massiv künstliche Beleuchtung den Nachthimmel mittlerweile weltweit erhellt: Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung lebte 2016 unter einem lichtverschmutzten Himmel. In Europa und den USA sind es sogar 99 Prozent der Bevölkerung.

Diese Erhellung der Horizonte konnte ich besonders gut in Istanbul beobachten – dort war der Nachthimmel immer rot, Sterne konnte ich bei meinem Besuch kein einziges Mal sehen. Wo hingegen meine Besuche einer lieben Freundin in Ostfriesland immer wieder sehr wohltuend waren – vermutlich auch wegen des fantastischen Blicks auf die Milchstraße.

Schäden an der Gesundheit

Doch das viele Leuchten nimmt uns nicht nur den Blick auf den Sternenhimmel, sondern schadet laut Schlafforschern auch unserer Gesundheit. Der menschliche Biorythmus wird durch das oft sehr helle und bläuliche Licht durcheinandergebracht, denn nur in Dunkelheit produziert unser Körper das Schlafhormon Melatonin. Ohne Dunkelheit leben wir gegen unsere innere Uhr und schlafen zu wenig. Wir können uns nicht ausreichend erholen und unsere Zellen sich nicht genügend regenerieren. So kann zu viel Licht in der Nacht auf Dauer chronische Schlafstörungen auslösen. Bei einem ständigen Schlafmangel drohen uns Menschen Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen und erhöhte Aggression. Aber auch Verdauungsschwierigkeiten, Magenprobleme, Übergewicht und Diabetes werden damit in Zusammenhang gebracht. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Hungergefühl an den Biorhythmus gebunden ist. Wenn dieser gestört ist, entstehen nächtliche Heißhungerattacken. Unter Experten wird sogar diskutiert, dass die Dauerbeleuchtung ein steigendes Krebsrisiko birgt, da die nächtliche Regeneration der Zellen durch künstliches Licht gestört wird.

Schäden am Ökosystem

Neben dem Mensch leiden auch andere Lebewesen unter den zu hellen Nächten, weil sie sich nicht mehr richtig regenerieren können. Nachtaktive Vögel und Insekten werden in ihrem Rhythmus oder bei der Orientierung gestört. So werden Motten vom Licht „magisch“ angezogen und umschwirren es so lang, bis sie an Erschöpfung sterben – die Tiere haben keine andere Wahl, da sie es in ihrer Genetik haben, sich am Licht des Mondes zu orientieren. Dabei fehlt ihnen jedoch die Fähigkeit den Unterschied zwischen Kunst- und Naturlicht zu erkennen. Auch das Paarungsverhalten von Singvögeln wird durch unsere Dauerbeleuchtung verändert. Die Lichter von Strandhotels sorgen zudem dafür, dass frisch geschlüpfte Meeresschildkröten nicht ins Meer sondern zum Hotel rennen und dann elendlich sterben. Und auch unsere Leuchttürme schaden dem Ökosystem, indem sie Zugvögel bei ihrer Orientierung an den Sternen hindern. Die unnatürliche Beleuchtung sorgt zudem für eine veränderte Zusammensetzung von Insekten auf Grünflächen. So sagte eine Expertin im Podcast, dass Gärtner_innen keine nächtliche Außenbeleuchtung haben sollten, um Nacktschnecken und andere sogenannte „Schädlinge“ von den Beeten effektiv fern zu halten. Doch nicht nur Landtiere sind von der Lichtverschmutzung betroffen. Lachse schwimmen tausende Kilometer flussaufwärts, um sich zu paaren. Doch beleuchtete Brücken wirken auf sie wie eine Barriere. Die Fische verweilen dort lange, eventuell zu lange, um rechtzeitig anzukommen.

Fazit

Das Phänomen der Lichtverschmutzung und seiner Auswirkung auf Mensch und Tier ist schon lange bekannt, doch bisher ist wenig passiert. Bei der Auswertung globaler Satellitendaten stellten die Forscher vom GFZ fest, dass weltweit die Nacht weiter verschwindet: Pro Jahr wächst die Intensität des künstlichen Lichts und die Größe der beleuchteten Fläche um rund zwei Prozent (Stand: November 2017). Einer der Gründe ist vermutlich die Verbreitung der LED-Lampen, die energieeffizienter und heller sind. Leider sorgt dies jedoch oft dafür, dass durch die Energieeinsparungen noch mehr Orte noch heller beleuchtet werden.

„Die nächste Generation wird in ganz Europa keine einzige Stelle mehr finden, an der die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen und zu erkennen ist und das ist dramatisch.“

Harald Bardenhagen, Astronom

Was können wir dagegen tun?

Für unseren Sternenhimmel und das Ökosystem

Ich denke, es ist ganz besonders wichtig das eigene Beleuchtungsverhalten zu hinterfragen. Insbesondere auf Außenbeleuchtungen sollte verzichtet werden. Sollte diese unbedingt notwendig sein, kann das Licht durch einen Bewegungsmelder gesteuert werden und muss somit nicht die ganze Nacht hindurch scheinen. Außerdem sollte man darauf achten Licht nur dann zu nutzen, wenn man es benötigt und nicht die ganze Wohnung hell zu erleuchten. Darüber hinaus kann man abends seine Vorhänge zuziehen, um das Leuchten nach außen zu verringern. Dies hat insbesondere im Winter den zusätzlichen Effekt, dass die Wärme besser im Raum gehalten wird. Wer die Möglichkeit hat sein Licht in der Wohnung zu dimmen, sollte dies zudem regelmäßig nutzen.

Zudem kann man das Projekt „Verlust der Nacht“ unterstützen, indem man sich die App zur Sternbeobachtung herunterlädt und nutzt. Aber auch eine Aktivität auf politischer Ebene ist notwendig, so kann man Forderungen an Abgeordnete stellen, die Straßenbeleuchtung zu dimmen und durch Bewegungssensoren an- und ausschalten zu lassen.

Wer selbst Besitzer_inn eines Ladengeschäfts ist, kann auch hier die Beleuchtungssituation überdenken – ein Schild aus Metall oder Holz kann sehr schön aussehen und ist oft auch viel einladender, als aufdringliche LED-Leuchtreklame. Zudem wäre es auch möglich für die Schaufensterbeleuchtung einen Bewegungssensor zu installieren oder einfach darauf zu verzichten – denn meist ist die Straßenbeleuchtung bereits hell genug.

Für unsere Gesundheit

Im Schlafzimmer sind Verdunklungsvorhänge oder Rollos zu empfehlen, um den Schlafrhythmus einzuhalten. Darüber hinaus ist es sinnvoll mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen auf die Nutzung von Fernseher, Smartphone und Computer zu verzichten, in den Abendstunden davor sollte ein Blaulichtfilter zur Schonung der Augen und einer geeigneten Melatoninausschüttung genutzt werden.

Noch mehr zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=_YuYz1f6650

Der Beitragsbildvektor wurde durch Freepik entwickelt


[1] Mehr zum Thema unter: https://www.br.de/themen/wissen/lichtverschmutzung-lichtsmog-licht-nacht-himmel-milchstrasse-tier-led-hell-102.html; http://www.verlustdernacht.de/startseite.html; https://www.br.de/nachrichten/bayern/lichtermeer-in-der-nacht-kann-krank-machen,ROwZonG   

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