Haben wir nicht bereits genug?

Genug – SOL-Kurs Lektion 2

Seit einigen Wochen nehme ich an einem Online-Kurs des Verein SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil teil. In der zweiten Lektion geht es um Werbung und ihre Wirkung auf unserer Leben. Da ich mich im Rahmen meiner No Buy Challenge eh mit diesem Themenkomplex beschäftige, möchte ich an dieser Stelle gerne meine Antwort auf die Lektion hier mit dir teilen und freue mich über einen Austausch in den Kommentaren.

Der Zweck von Werbung

Ich kann die Beschreibungen des Fotografen Oliviero Toscani und des Hirnforschers Gerald Hüter in vielerlei Hinsicht unterstützen. Ich habe selbst eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht und später im Studium u.a. Marketing gehabt. Genau diese Mangelgefühlerzeugung ist das, was wir gelernt haben. Natürlich soll Werbung auch gestalterisch ansprechend sein, aber der grundlegende Zweck ist etwas zu verkaufen, von daher muss Werbung immer um Aufmerksamkeit buhlen. Wenn ich mir heutzutage Werbung anschaue kann ich diese gar nicht mehr ohne Analyse darüber, was sich die Marketing-Abteilung dabei gedacht hat, betrachten. Mir ist immer im Hinterkopf, dass ich unzufrieden gemacht werde, um mir dann die dafür angebotene „Lösung“ zu kaufen. In der Werbung wird viel mit Emotionen gearbeitet, Psycholog:innen werden bewusst bei großen Kampagnen hinzugezogen, um die jeweilige Zielgruppe genau zu treffen, zu verstehen und dann zu manipulieren. Gleichzeitig darf das jeweils verkaufte Produkt gar nicht das erfüllen, was es uns verspricht, weil wir dann ja glücklich und zufrieden wären und nichts mehr kaufen würden, was über die Deckung von Grundbedürfnissen hinaus geht.

Wie ich mich davor schütze

Ich persönlich habe schon seit mehr als 10 Jahren einen Ad-Blocker auf meinem Computer, um dieser aufdringlichen Verkaufsmasche bewusst zu entkommen. Zudem kaufe ich mir auch nicht mehr wie früher Magazine, die mit Werbebotschaften gespickt sind und bei Zeitungen oder anderen Nachrichten bemühe ich mich darum diese möglichst werbefrei zu lesen/schauen. Newsletter und andere Angebot-E-Mails habe ich (fast) alle abbestellt und an unserem Briefkasten klebt ein Sticker mit „Bitte keine Werbung und kostenfreie Zeitungen“. All diese Maßnahmen helfen mir weniger zu kaufen und damit mehr Geld für die Dinge zu haben, die mich wirklich glücklich machen. Statt nach „Schnäppchen“ zu suchen oder mich zu ärgern, dass ich ein Angebot verpasst habe, lese ich lieber ein gutes Buch, mache Sport etc. Das aufwendige Blockieren von Werbung in meinem Leben hat mir bestimmt einiges mehr an echter Zufriedenheit gebracht.

Wenn ich Werbung doch mal sehe, analysiere ich sie, statt mich auf die intendierte Botschaft einzulassen. Dies kann ich jedoch auch nur, weil ich mich auf professioneller Ebene mit diesen Marketing-Instrumenten auseinandergesetzt habe.

Werbung kann auch positive Effekte haben – aber auch Fallstricke

Manchmal hat Werbung natürlich auch einen positiven Effekt, zum Beispiel wenn ich von einem nützlichen Produkt/einer guten Dienstleistung erfahre, das/die ich sonst nicht gefunden hätte. Zum Beispiel habe ich über eine Werbung von einer Hörbuch-Flatrate erfahren, durch die ich tatsächlich Geld spare im Vergleich dazu, wenn ich jedes Buch einzeln gekauft hätte. Trotzdem weiß ich auch um die Gefahr bei einer Flatrate oder einem Abo drauf zu zahlen und entscheide mich bei solchen vertraglichen Bindungen lieber für flexible Kündigungsmöglichkeiten, statt mehrere Monate zu zahlen, ohne das Angebot zu nutzen.

Aktuelle NoBuyChallenge

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen keine neuen Produkte zu kaufen und alles, das ich meine wirklich zu benötigen, aus zweiter Hand zu beziehen. Die genauen Regeln und Ausnahmen habe ich in meinem Blog-Post von Dezember 2019 festgehalten. Bereits jetzt nach sieben Monaten bemerke ich einen positiven Effekt auf meine Zufriedenheit, meinen Geldbeutel und die mir zur Verfügung stehende Zeit – und das obwohl ich schon in den Vorjahren sehr bewusst und wenig konsumiert habe. Das „Extra“-Geld, das ich nun zur Verfügung habe, nutze ich für Erlebnisse, Unternehmungen, leckeres Essen und Trinken, statt für Dinge, die meine Wohnung vollstopfen und gepflegt werden müssen. Bisher ist es ein sehr befreiendes Gefühl.

Der Einfluss der Werbung auf unser Geld

Am Großteil unserer variablen Konsumentscheidungen sind Werbebotschaften maßgeblich beteiligt.“

Zitat aus der Lektion – leider nicht zugeordnet

Natürlich haben Werbebotschaften einen erheblichen Einfluss darauf, welche Produkte wir kaufen. Wir brauchen uns doch nur umschauen, wie viele Menschen gerne als Werbeschild für Marken herum laufen und für den jeweiligen Pullover, das T-Shirt oder ähnliches auch noch ordentlich Geld bezahlt haben. Besitz ist in unserer Gesellschaft Prestige: „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht…“ – nicht nur die Werbung, sondern auch unsere Popkultur reproduziert dieses Narrativ immer wieder in Film, Fernsehen, Musik etc. Sich dem zu entziehen ist nicht leicht.

Befreiung statt Verzicht – mein Fazit

Für mich ist schon seit Jahren das, was andere als „Verzicht“ beschreiben würden eine sehr erfüllende Weise zu leben. Ich habe schon immer eher minimalistisch gelebt, da mich Chaos anstrengt. Vor ca. vier Jahren stieß ich dann auf die Bezeichnung „Minimalismus“ und fand mich darin wieder. Daraus resultierend habe ich meinen Besitz verringert und somit mehr Platz und mehr Ordnung in meiner Wohnung. Durch den Minimalismus habe ich zudem viele tolle neue Leute kennengelernt und mich für weitere Themen geöffnet. Ich sehe in dem, was in unserer Konsumgesellschaft als „Verzicht“ betitelt wird im Gegenteil eine ungemeine Bereicherung.

Wie siehst du das Thema Werbung, hast du ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich? Schreib mir gerne einen Kommentar. Ich freue mich über den Austausch.

++++   UNBEZAHLTE WERBUNG, da Namensnennung  ++++

Der Beitragsbildvektor wurde durch Freepik entwickelt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.