Doku-Dienstag: Voll verzuckert

Nach einem anfänglichen Enthusiasmus im letzten Jahr ist der Doku-Dienstag bei uns recht schnell eingeschlafen. Nun wollte ich ihn schon länger wieder beleben und über interessante Dokus schreiben. Unser Minimalismus-Stammtisch am letzten Sonntag gab mir die Möglichkeit. Wir schauten gemeinsam den Film „Voll verzuckert“ des australischen Regisseurs Damon Gameau. In der Doku wird der Konsum von Haushaltszucker kritisiert und als wichtige Ursache für das in Australien weit verbreitete starke Übergewicht darstellt.

„Supersize me“ mit Zucker

In der Dokumentation macht der Damon Gameau einen Selbstversuch – nachdem er sich jahrelang sehr gesund und von frischen Lebensmitteln ernährt hat, will er 60 Tage lang 40 Teelöffel Zucker (nicht in reiner Form, sondern in Lebensmitteln) täglich zu sich nehmen. Dies entspricht dem Durchschnittswert des Zuckerkonsums in Australien.

Zu Beginn lässt er sich durchchecken und hat sehr gute Werte – sowohl was die Fitness, als auch das Blut angeht. Während des Experiments isst Gameau bewusst solche Produkte, die als „gesund“ und „light“ beworben werden. Dabei wird schon sehr schnell klar, dass es mit solchen Lebensmitteln sehr einfach ist auf die 40 Teelöffel Zucker zu kommen: Bereits bei einem Frühstück mit CornFlakes und Fruchtjoghurt hat Damon Gameau die Hälfte seines Pensums erreicht. Neben der Umstellung auf die 40 Teelöffel Zucker am Tag, achtet der Regisseur jedoch darauf, dass seine Gesamtkalorienzahl nicht höher ist, als zuvor, und er ebenfalls sein gewohntes Sport-Pensum aufrechterhält. Damit will er den Einfluss dieser weiteren Faktoren vom Experiment ausschließen. Und es kommt, wie vermutet – am Ende der 60 Tage hat er trotz gleich bleibender Kalorienaufnahme und -verbrennung insgesamt 8,5 kg zugenommen, 7 % mehr Körperfett und 10 cm zusätzlichen Bauchumfang, sowie eine Tendenz zur Fettleber.

Die gesellschaftlichen Hintergründe

Neben der anekdotischen Geschichte um Damon Gameau besucht er für den Film die Aborigines und fliegt in die USA.

Bei den Ureinwohner_innen Australiens zeigt sich sehr gut, wie verehrend sich der übermäßige Konsum von Zucker auf die Gesundheit auswirken kann. So bestehen viele Nierenleiden und Übergewicht. Ein Programm zur Aufklärung über Ernährung für Aborigines war sehr erfolgreich, nachdem jedoch die Mittel gestrichen wurden, verfielen die Menschen in dem Ort wieder in alte Muster.

Damon Gameaus Besuch in den USA zeigt zudem wie stark der Konsum von Zucker in der amerikanischen Gesellschaft verankert und normalisiert ist. Außerdem besucht er einen Zahnarzt, der eine mobile Praxis hat, in der er Menschen hilft, die aufgrund von übermäßigen Mountain Dew-Konsum kaum noch Zähne haben. So begleitet der Film den Zahnarzt bei dem Versuch einem Jugendlichen das gesamte, verfaulte Gebiss zu ziehen. Da das Zahnfleisch jedoch zu entzündet ist, wirkt die Betäubung nicht  und er muss seinen Patienten bitten ein anders Mal wieder zu kommen. Eine Einsicht darüber, dass er kein Mountain Dew mehr trinken sollte, besteht jedoch auch danach nicht.

Der Einfluss von Zucker auf das Gehirn

Neben der Gewichtszunahme und der Verschlechterung der Blutwerte zeigt sich bei dem Experiment auch, wie stark Zucker auf das Gehirn und die Stimmung Einfluss nimmt. So beschreibt der Regisseur, dass er sich während des Versuchs oft schlapp fühlte, wenn er länger keinen Zucker zu gegessen hatte und nach der Aufnahme häufig sehr überdreht und aufgeputscht war.

Seine Ernährungsberaterin erklärt dies recht anschaulich: Um den erhöhten Blutzuckerspiegel zu senken, schüttet der Körper Insulin aus. Diese starke Ausschüttungsreaktion führt dazu, dass wir wiederum einen zu geringen Blutzuckerspiegel haben und uns schlapp fühlen. Also essen wir wieder stark zuckerhaltige Lebensmittel, der Teufelskreis beginnt von vorne und erzeugt auf lange Sicht Diabets Typ 2. Außerdem entsteht so auch eine gewisse Form der Abhängigkeit – was das Verhalten des Jugendlichen mit dem „Mountain Dew-Gebiss“ in gewisser Weise erklärt.

Die Rolle der Lebensmittel-Industrie

Wie wir ja bereits im Film „Food Inc.“ festgestellt haben, will die Lebensmittelindustrie nur unser Bestes – unser Geld. Und um an unser Geld ran zu kommen, werden die Produkte genauso zusammengesetzt, dass sie den sogenannten „Glückspunkt“ erreichen. Dieser Punkt bezieht sich auf die Menge von Salz, Zucker und Fett in einem Lebensmittel. Ist die jeweilige Menge ausgeglichen, schmeckt es optimal und unsere evolutionär bedingte Genetik bringt uns dazu, immer wieder zu dem Lebensmittel mit dem „Glückspunkt“ zu greifen.

Die Lösung des Problems

Am Ende des Films kehrt Damon Gameau zu seiner vorherigen Ernährungsweise zurück und pendelt sowohl sein Gewicht als auch seine Blutwerte wieder auf einem gesunden Niveau ein.

Mein Fazit

Nach dem Film unterhielten wir uns in der Gruppe noch über die Doku und entschieden gemeinsam eine Challenge zu starten – drei Wochen kein Zucker. Da ich bereits vorher diverse Male im Kontext von Gesundheit gehört und gelesen hatte, dass ein Zuckerverzicht sinnvoll sein kann, schloss ich mich der Herausforderung an. Generell halte ich es für sinnvoll auf den eigenen Zuckerkonsum zu achten und seine Ernährung so gut es geht umzustellen. Der Film und die Gruppenaktivität waren nun noch der letzte Anstoß, den es brauchte.

Trotzdem betrachte ich „Voll verzuckert“ etwas kritisch, da der Film Fette relativ unkritisch darstellt. Ich denke, dass für Zucker und Fetten um dieselbe Ernährungsregel gilt: Unverarbeitet und in Maßen okay. So ist der Fruchtzucker von einem Apfel in seiner ganzen Form sehr gesund, genauso wie das Fett einer Olive in ihrer gesamten Form gesund ist.

Der Beitragsbildvektor wurde durch Freepik entwickelt

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