Beyond Beliefs – 1.2 Das Beziehungs-Immunsystem


Melanie Joy schreibt in ihrem Buch „Beyond Beliefs“ über die Beziehung zwischen Veganerinnen* und Nicht-Veganerinnenn* und wie diese verbessert werden können. Vor einiger Zeit habe ich begonnen, den Inhalt des ersten Kapitelabschnitts zusammenfassen. Nun möchte ich mit dem zweiten Teil des ersten Kapitels fortfahren.

Das Beziehungs-Immunsystem – Beziehungen gesund und kräftig halten

In diesem Abschnitt vergleicht Melanie Joy Beziehungen mit dem Immunsystem des menschlichen Körpers – ist das Immunsystem kräftig, können ihm Keime nichts anhaben. Um dieses Beziehungs-Immunsystem zu stärken, ist es laut Joy wichtig, zunächst zu erkennen welche „Keime“ es angreift und wie man diese behandeln kann.

Resilienz verbessern und „Keime“ erkennen

Ein kräftiges Beziehungs-Immunsystem ist resilient. Resilienz ist die Fähigkeit Stress auszuhalten und zu überwinden. In Beziehungen wird diese Fähigkeit von zwei Hauptfaktoren getragen: Sicherheit und Verbundenheit. Die Sicherheit und Verbundenheit in einer Beziehung wird von verschiedensten Faktoren auf eine Probe gestellt: finanzielle Probleme, Abhängigkeit oder Arbeitslosigkeit. Doch eine weitere Probe für die Beziehung ist der Karnismus in unserer Gesellschaft – ein unsichtbares Glaubenssystem oder eine Indologie, die uns konditioniert auf eine bestimmte Art und Weise über das Essen von Tieren zu denken. Dieser Karnismus kann unser Beziehungs-Immunsystem bedrohen, wenn er nicht entdeckt wird.

Die grundlegenden Bausteine von Resilienz

Beziehungen bauen auf Interaktionen auf – jedes Mal, wenn wir mit jemanden interagieren, stehen wir mit dieser Person in Beziehung – ob mit der Kassiererin im Supermarkt, mit der Frau im Bus neben uns, mit unserem Lebenspartner oder mit uns selbst.

Da Beziehungen eben aus vielen Interaktionen bestehen, können wir uns jederzeit entscheiden, welchen Weg sie gehen. Dafür müssen wir jedoch die Elemente einer unsicheren, unterbrochenen Interaktion erkennen. Erst dann können wir Beziehungs-Probleme vorrausschauend angehen und Resilienz aufbauen.

Die Beziehung hinter den Glaubenssätzen

Wenn wir uns entscheiden die Resilienz unserer Beziehungen zu vertiefen, wechseln wir den Fokus – weg von Diskussionen über die Unterschiede, hin zur Vertiefung der Gemeinsamkeiten. Eine der vielen Gründe, warum wir in Beziehungs-Konflikten steckenbleiben ist, dass wir uns vorrangig auf den Inhalt, statt auf den Prozess dessen, was den Konflikt verursacht, fokussieren. Einfacher gesagt: wir beschäftigen uns mit dem „Was“, statt mit dem „Wie“. So können Veg/Non-veg-Interaktionen toxisch werden, weil sie die grundlegenden Störungen der Beziehung zum Vorschein bringen. Oberflächlich betrachtet geht es in den Vegan-Diskussionen darum, was dafür spricht Tiere zu essen oder nicht, doch wenn man genauer hinschaut, stecken andere, bereits existierende Probleme dahinter – wessen Lebensweise angemessener ist, welches Bild die Familie nach außen repräsentieren möchte, wie Paare die Bedürfnisse der Einzelpersonen priorisieren sollten und so weiter…

Wenn wir der Beziehung hinter den Überzeugungen mehr Aufmerksamkeit schenken, kann dies unsere Erfahrung verändern – egal ob wir vegan oder nicht-vegan sind. Der Beziehung besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, bedeutet jedoch nicht, dass wir diese über unsere persönlichen Überzeugungen stellen. Es bedeutet nur, dass wir  unseren verschiedenen Glaubenssätzen Raum geben und diese nicht für eine Verringerung der Sicherheit und Verbundenheit mit der anderen Person sorgen. So können wir – trotz unserer Unterschiede – Verbündete werden und eine Allianz schmieden.

Verbündete werden – eine Allianz schmieden

Eine Verbündete* ist ein Unterstützerin* einer anderen Person, die sich von ihr* auf eine gewisse Art und Weise unterscheidet. Als Verbündete verstehen und würdigen wir die Welt der anderen* – ihre* Perspektive, Werte und Überzeugungen. Wir respektieren einander und halten aneinander fest – in guten und in schlechten Zeiten. Verbündete sind einander loyal. Diese Loyalität kann idealer Weise nur in Frage stehen, wenn das Bündnis eine Verletzung der eigenen Integrität bedeuten würde und wir eine Art des Denkens oder Verhaltens unterstützen müssten, die gegen unsere Kernwerte verstößt. Zum Beispiel würde ein Bündnis zwischen einem Nazi und seiner Schwester, die davon überzeugt ist, dass Rassismus unethisch ist, nicht funktionieren.

Allianzen in Veg/Non-veg-Beziehungen

In Veg/Non-veg-Beziehungen sind solche Allianzen entscheidend. Insbesondere die Nicht-Veganerin* sollte zur Verbündeten werden, da die andere* einer nicht-dominanten Minderheit angehört. Denn Veganerinnen* leben in einer Welt, in der ihre Erfahrungen häufig missverstanden, missachtet und für ungültig erklärt werden. Damit eine Veg/Non-veg-Beziehung gesund und nachhaltig bestehen kann, ist es essenziell, dass die Nicht-Veganerin* unterstützend wirkt, um dieser gesellschaftlichen Ausgrenzung von Veganerinnen* entgegenzuwirken.

Die Veganerinnen* können sich ebenfalls an der Allianz beteiligen – auch wenn sie den Konsum von Tieren als unethisch betrachten und sich unsicher fühlen, wenn sie sich dessen, beispielsweise bei einem gemeinsamen Essen, ausgesetzt sehen. So kannman versuchen die Nicht-Veganerin* zu verstehen, indem man sich klar macht, dass hinter dem Verhalten die Ideologie des Karnismus steckt.

Um diese Form der Veg/Non-Veg-Allianz verständlicher zu machen, zieht Melanie Joy ihre Beispiel-Geschichte von Maria heran. Wäre ihr Ehemann ein Verbündeter, hätte er nicht mit gelacht, als sie verspottet wurde, stattdessen hätte er ihre Hand nehmen können um ihr deutlich zu machen, dass sie nicht alleine ist. Zudem hätte eine gemeinsame Front mit ihr bilden und ihre Familie bitten können ihre Werte nicht lächerlich zu machen.

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