Beyond Beliefs – 1.1 Zerrüttete „veg/non-veg“-Beziehungen

Melanie Joy schreibt in ihrem Buch „Beyond Beliefs“ über die Beziehung zwischen Veganer_innen und Nicht-Veganer_innen und wie diese verbessert werden können. In den folgenden Wochen möchte ich hier den Inhalt der einzelnen Kapitel zusammenfassen und ein abschließendes Fazit ziehen. All die Inhalte des Buches sind für Veganer_innen und ihre Freunde, Bekannten und insbesondere ihre Familie interessant.

Das erste Kapitel beginnt mit der Geschichte von Maria – einer Veganerin, die mit einem Fleischesser verheiratet ist. Erst in ihrer Ehe wurde sie vegan. Die Überzeugung, die sie dabei entwickelte wurde mit der Zeit immer gefestigter und betraf zunächst nur ihr eigenes Essen, dann verweigerte sie unvegan zu kochen und nach längerer Zeit wollte sie auch keine tierischen Produkte mehr im Haus haben. Ihr Mann Jacob hat sich auf diese Veränderungen ihr zuliebe eingelassen, versteht sie jedoch nicht. Als sie gemeinsam bei einer Feier ihrer Familie sind, dreht sich das Gespräch um das Fleisch und es werden Witze darüber gemacht, dass das Schwein, sich bestimmt gewünscht habe, gegessen zu werden, weil es so gut schmecke. Maria fühlt sich in dieser Situation unwohl und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Wenn sie die Witze als unlustig kommentieren würde, gilt sie als „hysterisch“ oder „extrem“, wenn sie mit lachen würde, würde sie ihre Überzeugungen verleugnen. Und so fühlt sich Maria verspottet und gedemütigt. Sie hatte das Gefühl, es sei ihre Verantwortung vom Vegansein ein gutes Bild aufrecht zu erhalten und nicht dem Stereotyp von Veganern als „überemotional“ und „radikal“ zu entsprechen. Und so zieht sie sich immer mehr in sich selbst zurück und entfernt sich mehr von den Menschen um sie herum. Nach der Feier, auf dem Weg nach Hause fühlt sich Maria betäubt, erschöpft, überfordert und unfähig ihre Gefühle zu erklären. Weshalb sie im Gespräch mit ihrem Mann Jacob sehr kalt reagiert. Daraufhin sitzen beide im Auto nebeneinander und fühlen sich missverstanden, ungeachtet, unsicher und entfernt voneinander.

Die versteckten Kosten des Veganismus – Beziehungs-Zerrüttung

Diese Geschichte ist beispielhaft für Beziehungen zwischen Veganer_innen und Nicht-Veganer_innen. Für viele vegan Lebende ist ihre neue Lebensweise eine der selbstwirksamsten Entscheidungen in ihrem Leben. Doch leider beinhaltet sie versteckte Kosten – die Zerrüttung von Beziehungen. Diese versteckten Kosten sind oft schmerzhaft, demoralisierend und schockierend. Als Veganer_in befindet man sich plötzlich in einer Situation, in der Familie und Freunde defensiv auf die neue Lebensweise reagieren – auf eine Lebensweise von der man dachte, dass die zugrundeliegenden Werte von den anderen geteilt würden. Aber auch Nicht-Veganer leiden unter dieser disruptiven Dynamik.

Melanie Joy macht jedoch Mut, dass ein Zusammenbruch der Beziehung nicht unausweichlich ist, sondern die Situation sogar dafür sorgen kann, dass diese gestärkt wird. Die Herausforderungen einer „veg/non-veg“-Beziehung erfordert, dass alle Beteiligten selbstkritischer und emotional erwachsener werden. Der Veganismus ist nicht das Problem in der Beziehung, sondern dass die beteiligten Menschen nie die grundlegenden Prinzipien und Fähigkeiten gelernt haben, um eine sichere, verbundene Beziehung aufzubauen, in der man über verschiedene Überzeugungen und Bedürfnisse offen sprechen kann. Hinzu kommt die besondere Herausforderung einer „veg/non-veg“-Beziehung, dass beide Parteien sehr verschiedene Denkweisen haben, die für eine inakkurate Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung der anderen Person sorgt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.