Warum sollte meine Arbeit Ikigai sein?

In meinem Artikel „Ist meine Arbeit Ikigai?“ habe ich mich die Frage gestellt, ob meine Arbeit als Berufsschullehrerin dem japanischen Konzept „Grund morgens aufzustehen“ erfüllt. Und ich habe festgestellt, dass sie es tut. Nun möchte ich die Frage aufwerfen, warum es sinnvoll ist eine Arbeit zu machen, die Ikigai ist.

Muss ich für meinen Beruf brennen?

Der Ausspruch „du musst für deine Arbeit brennen“ hat für mich einen fiesen Beigeschmack, denn in der Werbebranche wird diese Floskel gerne mal von Chef_innen genutzt, um die Mitarbeiter_innen zur Selbstausbeutung anzutreiben. Nach dem Motto: „Nur wer massenweise Überstunden kloppt brennt auch wirklich für seine Arbeit und nur wer wirklich für seine Arbeit brennt, macht diese auch richtig“.

Leider hat dieses Motto einen kleinen wahren Kern, den ich auch erst mit der Zeit entdeckte: Ich persönlich (und ich spreche hier wirklich nur von mir) mache meine Arbeit nur dann wirklich gut und mit voller Aufmerksamkeit, wenn ich wirklich Spaß daran habe, wenn ich „dafür brenne“. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dies nicht zur Selbstausbeutung bis zum Burnout führen sollte. Die Leidenschaft für den Beruf funktioniert eben auch nur so lange, wie man einen geeigneten Ausgleich dazu hat. Daher: Für den Beruf brennen? Ja, aber bitte nicht ausschließlich.

Muss meine Arbeit einen Zweck für die Gesellschaft haben?

Manch einer mag behaupten, dass es ihm/ihr egal ist, was andere über ihren Beruf denken, aber ich glaube schon, dass wir alle ein gewisses Bedürfnis verspüren etwas zur Gesellschaft beizutragen. Natürlich muss das nicht unbedingt in der Arbeit Ausdruck finden, aber es ist schon eine besondere Bestätigung zu wissen, dass man gebraucht wird und etwas „Sinnvolles“ tut. Mich persönlich würde es nicht erfüllen, den Tag über irgendwelchen Kram an andere Menschen zu verkaufen, den diese gar nicht benötigen und damit auch noch der Umwelt zu schaden – auch nicht, wenn ich dafür gutes Geld bekommen würde.  Und ich vermute so geht es im tiefsten Inneren allen Menschen. Wir wollen Anerkennung für das, was wir tun. Wenn wir diese nicht über den Status „etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun“ bekommen, versuchen wir dies häufig an anderer Stelle auszugleichen – beim Geld.

Muss ich mit meiner Arbeit Geld verdienen?

Ich bin der Meinung: ja! Denn wie im oberen Abschnitt schon angedeutet, ist Geld auch eine Form der Anerkennung für das, was ich geleistet habe. Doch was, wenn ich selbst genug Geld habe und gar nicht auf diesen Verdienst angewiesen bin? Ich denke auch dann haben wir doch immer ein inneres Bedürfnis nach materieller Anerkennung. Natürlich ist es ein schönes Gedankenexperiment sich zu fragen: „Würde ich meine Arbeit auch noch machen, wenn ich im Lotto gewonnen hätte?“, aber viel interessanter ist doch: „Würde ich die Arbeit dann machen, ohne Geld zu verlangen?“ Vermutlich nicht…

Habe ich Talent für meinen Beruf?

In manchen Berufen zeigt es sich schnell, ob jemand Talent hat oder nicht – z.B. wenn er/sie ein Instrument schnell erlernt und sehr gut spielen kann. In anderen Berufen ist dies deutlich diffuser und ein Talent kann sich auch mit der Zeit entwickeln. Hier trifft das Sprichwort „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ zu. Talent ist nicht Perfektion und muss sich auch nicht auf alle Bereiche des Berufs beziehen. So kann ein anfänglich fehlendes Talent  sicherlich auch mit einer besonderen Leidenschaft und Begeisterung ausgeglichen werden. Trotzdem ist ein grundlegendes Talent in einem Arbeitsbereich sinnvoll und aufgrund von Erfolgserlebnissen auch hilfreich um sich weiterzuentwickeln.

Also Igikai oder was?

Aus meiner Sicht ein klares: „Ja!“ Die Arbeit sollte für mich alle Bereiche von Igikai – mehr oder weniger – abdecken, um damit zufrieden zu sein.

Meine Arbeit ist nicht Igikai, was mache ich jetzt?

Das ist eine schwierige Frage, da sie sehr davon abhängt, woran es hapert. Sinnvoll erscheint es mir, zu schauen, wie man  den offenen Bereich abdecken könnte.

  • Bist du beispielsweise in einem Ehrenamt tätig und erhältst kein Geld dafür? Vielleicht kannst du ja an der Stelle doch etwas für dich verhandeln? Oder du schaust, ob es etwas Ähnliches gibt, das bezahlt wird.
  • Meinst du, dir fehlt jegliches Talent in dem was du tust? Nun, vielleicht hast du es nur noch nicht gefunden? Oder vielleicht gibt es ja etwas anderes, was du in beruflicher Hinsicht wagen könntest?
  • Erfüllt deine Arbeit keinen besonderen Zweck in der Gesellschaft? Manchmal wirkt es auf uns nur so, als ob unsere Arbeit keinen Wert für andere Menschen hat, aber nicht jeder von uns muss und will im sozialen Bereich tätig sein – auch Reinigungskräfte tragen ihren Teil zum Funktionieren der Gesellschaft bei. Und falls du doch wirklich etwas total Zweckloses machst – schau dich um, wo deine Talente nicht verschwendet sind.
  • Ist dir deine Arbeit total egal? Bei dir brennt gar nichts, wenn du an deinen Beruf denkst, außer vielleicht Hass? Nun, es kann sein, dass du den Punkt eines Burnouts erreicht hast oder dass dich dein Beruf einfach langweilt. An dieser Stelle ist es sinnvoll zu schauen, ob man entweder die Begeisterung wieder zurückbekommen kann oder woanders glücklicher wird.

Generell finde ich es sinnvoll sich den Tatsachen zu stellen und dann auch zu handeln. Klar ist es schwer, aber nicht unmöglich, neue Wege einzuschlagen.

Und ich?

Derzeit ist meine Arbeit Ikigai. Sollte es irgendwann nicht mehr der Fall sein, habe ich mir vorgenommen, dies schnellstmöglich zu ändern.  Wie diese Veränderung genau ausschaut, wird sich dann zeigen.

Wie schaut es bei dir aus? Hat dich der Artikel anregen können über deine Berufswahl nachzudenken? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

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