Was ist vegan?

Die vegane Lebensweise und insbesondere die vegane Ernährung scheint einen enormen Aufschwung erlebt zu haben. Es gibt diverse Alternativprodukte auf dem deutschen Markt und sogar einige Magazine, deren Hauptthema der Veganismus ist. Trotzdem fällt mir im Kontakt zu anderen Menschen immer noch auf, dass einigen nicht klar ist, was vegan wirklich bedeutet. In diesem Artikel möchte ich daher mit falschen Vorstellungen und Unklarheiten aufräumen und die grundsätzliche Definition von „vegan“ verständlich erklären.

Woher kommt der Begriff „vegan“ überhaupt?

Der Begriff „vegan“ entstand aus einer Abspaltung aus der „Vegetarian Society“ im Vereinten Königreich im November 1944. Die Gruppe fand, man solle nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch Eier und Milch in der Ernährung verzichten.[1] Das Wort „Vegan“ ist eine Kürzung des Wortes „Vegetarian“ auf die ersten drei und die letzten zwei Buchstaben.[2]

Was bedeutet „Vegan“ nun genau?

“Veganism is a way of living which seeks to exclude, as far as is possible and practicable, all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose.” (Vegan Society)

Wem diese kurze Definition nicht klar genug ist: Veganer_innen wählen bewusst Produkte, für die möglichst kein Tier sterben oder auf andere Art leiden muss(te). Als Veganer_in kann man die meisten (wenn nicht sogar alle) gewohnten Gerichte essen – nur auf andere Art zubereitet und mit einer eventuell geringen Geschmacksabweichung[3]. So gibt es leckere Süßungsmittel aus Pflanzen, verschiedenste vegane Käsesorten, diverse pflanzliche Milchalternativen, leckere Pflanzenmargarinen und unglaublich viele Fleisch- und sogar Fischalternativen. Und auch in anderen Bereichen ist kein „Verzicht“ notwendig:

  • So gibt es veganes „Leder“ aus Ananasblättern oder Kork aus dem Schuhe, Gürtel etc. hergestellt werden können,
  • für das Stricken warmer Accessoires oder Pullover eignen sich auch Baumwolle- oder Bambusfasern,
  • Stoffe aus Lyocell, Modal, Soja und Agave sind angenehm luftig und kühlend auf der Haut,
  • in der Kosmetik gibt es eine sehr große Palette veganer, tierversuchsfreier Produkte
  • und es gibt genügend vegane Unterhaltungsmöglichkeiten wie den Zirkus Flic Flac oder Naturdokumentationen im Kino.

Ist 100% vegan wirklich möglich?

Manch einer mag sich jetzt wundern „wie weit“ Veganismus greift und einige mögen vielleicht sagen: „Aber, das ist doch gar nicht möglich!“ Und tatsächlich ist es in dem derzeitigen System, in dem das Töten und Ausnutzen von Tieren als „normal“ und „notwendig“ gilt, nur innerhalb gewisser Grenzen möglich, ausschließlich Produkte ohne einen solchen Hintergrund zu konsumieren. Daher definiert die „Vegan Society“ „Vegan“ auch als „soweit es möglich und praktikabel ist“.

Das heißt aber nicht, dass Veganer_innen auch einen Kuchen mit Eiern und Milch essen, weil es sonst nichts anderes gibt. Die Einschränkung der „Vegan Society“ bezieht sich – meiner Interpretation nach – vorrangig darauf, dass es nicht immer möglich ist, sicherzustellen, dass alle Produktionsstoffe veganer Natur waren. So werden pflanzliche Nahrungsmittel beispielsweise mit tierlichen Exkrementen und Resten aus Schlachthöfen gedüngt[4]. Zwar gibt es bereits tolle Alternativen wie der biozyklisch-vegane Anbau, leider ist dieser jedoch noch nicht ausreichend verbreitet.

Aber gibt es nicht auch „Gesundheits-Veganer_innen“?

Ja, die Gründe vegan zu werden sind vielfältig: Gesundheit, Umweltschutz und Tierschutz, aber auch soziale Aspekte wie der Welthunger sind Argumente für diese Ernährungsweise.[5]

Wie jedoch aus der Definition von „vegan“ bereits hervor ging, geht Veganismus über die Wahl der Nahrungsmittel hinaus. Um die Unterscheidung zu machen zwischen der veganen Lebensweise und der veganen Ernährung wird oft auch von „Plant Based Diet“ oder „As vegan as possible“ gesprochen.

Woher weiß ich jetzt, wie vegan jemand ist?

Wenn jemand von sich selbst sagt, dass er/sie vegan ist, würde ich immer von der ursprünglichen Definition der „Vegan Society“ ausgehen. Solltest du beobachten, dass diese Person dann doch Produkte mit tierlichen Inhaltsstoffen konsumiert, kannst du ja mal freundlich nachfragen, wie er/sie zu der Sache steht.

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/The_Vegan_Society

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Veganism#Coining_the_term_vegan_(1944)

[3] Wobei diese „Geschmacksabweichungen“ meiner Meinung nach meistens sehr positiv sind.

[4] https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/duengemittel#textpart-1; https://de.wikipedia.org/wiki/Tierk%C3%B6rperverwertung

[5] https://vegan-taste-week.de/hintergruende

 

Der Beitragsbildvektor wurde durch Freepik entwickelt

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