Doku-Dienstag: Food Inc.

Unser erster Doku-Dienstag war die amerikanische Dokumentation „Food Inc.“ – ein Film über unsere Lebensmittelindustrie vom  Produzenten und Regisseurs Robert Kenner sowie der Journalisten Eric Schlosser und Michael Pollan aus dem Jahr 2008. In diesem kurzen Artikel möchte ich berichten, was wir neues erfahren und dadurch eventuell auch in unserem Leben geändert haben, was wir wichtig und was wir kritisch fanden.

Die Markeneinfalt

Wie bereits eingangs erklärt, versucht „Food Inc.“ uns einen Einblick hinter die Kulissen der Lebensmittelindustrie zu geben. Dabei fühlten sich die Journalisten zur Recherche veranlasst, da es in den USA zwar eine Vielzahl an Produkten und Marken im Supermarkt gibt, diese jedoch von einer kleinen Zahl marktführender Firmen hergestellt werden. Vielleicht kennt ihr diese Grafik der zehn größten Lebensmittelkonzerne? Ich persönlich finde es immer wieder gruselig zu sehen, wie wir Verbraucher_innen verarscht werden.

Die zehn größten Lebensmittelkonzerne. Quelle: Oxfam International

Woher kommt Fleisch und Milch im Supermarkt?

Die Schlachthöfe

Im ersten Abschnitt von „Food Inc.“ wird darauf eingegangen, wie die heutige „Fleischproduktion“ funktioniert. Genauso wie die Firmenvielfalt verschwunden ist, ist auch die Anzahl der Schlachthöfe in den USA gesunken. Die verbleibenden (weniger als 30) Schlachthöfe sind riesige Betriebe. Diese lassen häufig illegale Immigranten für sich im Akkord arbeiten. Später im Film sieht man, wie die ICE Festnahmen wegen Schwarzarbeit vornimmt. Festnahmen der Manger, die diese Arbeiter beschäftigt haben, gibt es hingegen nicht.

„Food Inc.“ geht auch am Rande auf die Hintergründe der illegalen Migration ein: Der in den USA stark subventionierte Mais hat dafür gesorgt, dass Maisbauern in Mexico nicht mehr damit konkurrieren konnten und somit dazu gezwungen waren, neue Möglichkeiten für den Verdienst des Lebensunterhalts zu finden.

Die Hühner

Doch nicht nur die Massen-Schlachthöfe werden kritisch betrachtet – auch die Tieraufzucht ist in der Hand weniger großer Konzerne und die Züchter_innen sind von diesen stark abhängig. Die Dokumentation zeigt eine Hühnerzüchterin, die sich gegen die Forderungen der Großkonzerne stellt und ihre Ställe nicht ohne Fenster einrichten will. Ich persönlich fand es sehr verstörend zu sehen, wie die Tiere gehalten werden und wie viele bereits vor der Schlachtung aufgrund dieser Bedingungen sterben. Außerdem wird gezeigt, dass die Hühner für besonders viel Brustfleisch gezüchtet wurden und sich deswegen kaum bewegen können und aufgrund des Gewichts häufig Knochen brechen.

Die Kühe

„Food Inc.“ geht an anderer Stelle auch auf die Rinderzucht ein. Der stark subventionierte Mais wird sowohl an Rinder als auch an Milchkühe verfüttert. Da dies kein Futter ist, an das der Kuhmagen gewöhnt ist, werden die Tiere häufig krank. Die Krankheiten werden dann wiederum mit Antibiotika behandelt und Reste davon landen in Kuhmilch- und Fleischprodukten beim Verbraucher.

Welche Auswirkung hat das auf unsere Gesundheit?

Diese Antibiotika-Gaben sorgen für resistente Keime, die aufgrund mangelhafter Kontrollen ebenfalls in unserer Nahrung landen. Die Escherichia coli-Bakterienstämmen sind teilweise für den Menschen tödlich. So begleitet „Food Inc.“ eine Mutter, deren sechsjähriger Sohn an einem Hamburger gestorben ist. Sie bemüht sich vergeblich um ein Gesetz, dass vor solchen Ereignissen schützen soll. Dabei wird die Macht der fleischverarbeitenden Industrie besonders deutlich, als sie gefragt wird, wie sich ihre Ernährung durch den Tod ihres Sohnes verändert hat, und sie nicht antworten will, da sie eine Klage befürchtet…

„Food Inc.“ begleitet außerdem eine Familie, die sich kein gesundes Essen leisten kann und sich aufgrund von Geld- und Zeitmangel von Fast Food ernährt. Die starke Mais-Subventionierung in den USA sorgt dafür, dass verarbeitete und ungesunde Lebensmittel günstiger als frisches Obst und Gemüse sind und hat zur Folge, dass viele Amerikaner aufgrund der Fehlernährung Krankheiten wie Diabetes Typ 2 bekommen. Der Vater in der gezeigten Familie ist davon betroffen. So muss die Familie zusätzlich Geld aufwenden, um die Medikamente zu bezahlen und es entsteht ein noch schlimmerer Teufelskreis, da sie nun noch weniger Geld für gutes Essen haben.

Wieso sind wir von Großkonzernen abhängig?

Wie bereits erwähnt, spielen der Mais und seine Produktion eine große Rolle im Film. Und so wird auch hier hinter die Kulissen geschaut. Dabei wird deutlich, dass die Bauern in einer Abhängigkeit von Monsanto stehen. Der Genmais (und auch andere Genpflanzen) sind patentiert, das heißt, die Bauern dürfen ihr Saatgut nicht einbehalten um es im nächsten Jahr wieder auszusäen, sondern müssen immer wieder neu bei Monsanto einkaufen – ein einseitig lukratives Geschäft und gleichzeitig ein Teufelskreis der Abhängigkeit für die Bauern. Dabei hat Monsanto Mechanismen entwickelt, um sicherzustellen, dass diese Abhängigkeit nicht umgangen wird. So werden regelmäßig Kontrollen durchgeführt, dass kein Saatgut einbehalten wurde und Bauern haben die Möglichkeit sich gegenseitig anzuzeigen, wenn sie eine sogenannte Patentrechtsverletzung beobachten.

Doch nicht nur die Bauern, die Monsanto-Saaten nutzen, sind betroffen. Da das Saatgut auf umliegende Felder geweht wird, werden auch diese durch die Genmanipulation verunreinigt. So zeigt „Food Inc.“ einen Saatgutreiniger, der von Monsanto wegen Patentrechtsverletzung verklagt wird. Er hat eigentlich nur Saaten von Feldern ohne Genpatentierung verarbeitet, doch da Monsanto-Saaten hinüber geweht wurden, endete das patentierte Gen am Ende doch im aufbereiteten Saatgut. Der Film begleitet den Gerichtsprozess und die Verhandlungen, die mit einer Einigung enden, da der Saatgutreiniger sich die laufenden Kosten nicht mehr leisten kann…

Wie groß die Macht Monsantos ist, zeigt sich auch nochmal gegen Ende des Films, wo die engen Verknüpfungen von Politik und Wirtschaft nochmal aufgegriffen werden.

Die Lösung des Problems?

Der größte Teil des Films beschäftigt sich mit der Erklärung der Mechanismen in der Nahrungsmittelindustrie und somit gerät der Teil, der zum Handeln anregt, eher kurz.

Das Konzept des Films zielt am Ende darauf ab, dass wir Bio kaufen sollten. Damit können wir sicherstellen, dass keine genmanipulierten Pflanzen verwendet wurden und die Tierhaltung besser ist. Als Beispiel wird ein Bauer gezeigt, der Hühner, Kühe und Schweine hält und selbst schlachtet. Er kommt dabei auch zu Wort und erklärt, dass der Ansatz des „Wie können wir noch mehr produzieren?“ falsch ist, wenn man sich nicht fragt: „Warum machen wir das?“ Leider konnte ich dem Teil des Films jedoch nicht so gut folgen, da im Hintergrund die Hühner geschlachtet wurden und um ihr Leben schrien…

Wie fanden wir den Film?

„Food Inc.“ gibt einen sehr guten Einblick in die Lebensmittelindustrie der USA und zeigt die vielen Schattenseiten auf. Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass die Verbraucher_innen auf all die im Film angesprochenen Aspekte aufmerksam gemacht werden, und versuche deswegen meine Schüler_innen für diese Problematiken zu sensibilisieren. Da das Thema jedoch sehr komplex ist, ist es nicht immer leicht, der Handlung zu 100% zu folgen, wenn man nicht bereits Vorwissen besitzt. Die Dokumentation enthält viele Informationen, bearbeitet jedoch nicht alle Aspekte in Tiefe. Dies ist aufgrund der Länge des Films aber auch nicht möglich. Wer wirklich Interesse hat, sollte meines Erachtens nach dem Film weiter recherchieren.

Was für Auswirkungen hat das auf uns?

Da der Film sich ausschließlich mit der amerikanischen Lebensmittelindustrie beschäftigt, kann es natürlich sein, dass der/die ein oder andere denkt: „In Deutschland ist das aber anders.“ Daher möchte ich nochmal anmerken, dass es anders ist, aber nicht wirklich besser. So haben wir auch hier Unmengen an amerikanischen Produkten und die Macht der Großkonzerne besteht auch in Europa. Es gibt hier zwar keine Maissubventionen, dafür andere – in meinen Augen fehlgeleitete – Finanzspritzen für die europäische Agrarwirtschaft. Und auch in Deutschland und dem Rest von Europa werden Monsanto-Saaten angebaut – und das nicht zu knapp. Hier ist ein Umstieg auf Bio wirklich sinnvoll. Außerdem empfehle ich jedem_er Konsument_in von tierlichen Produkten sich mal mit den Zuständen in europäischen Höfen und Schlachthäusern auseinanderzusetzen – denn diese stehen den amerikanischen so gut wie in nichts nach. Und dabei ist es auch kein großer Unterschied, ob es sich um Bio oder Nicht-Bio handelt. Nachfolgend habe ich eine Liste von Videos zu dem Thema für dich zusammengestellt.

Kurz-Videos:

Bio-Eier und die Hühner: SWR-Bericht der Reihe Marktcheck „Bio-Eier von ALDI Süd – Die Mär von glücklichen Hühnern

Massentierhaltung in Deutschland: Mdr-Bericht „Exakt: Wahnsinn Massentierhaltung!

Wie Fleisch wirklich auf den Tisch kommt:

Dokumentationen:

Die Herkunft und Auswirkungen von Fleischkonsum: Arte-Doku „Nie wieder Fleisch?

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