Schritt 2: Das erste Ausmisten

Nachdem du dich mit deinen Motiven unter Schritt 1 auseinandergesetzt hast gebe ich dir hier nun weitere Tipps, wie du die Sache anpacken kannst.

Das erste Entrümpeln

Im Internet finden sich diverse Vorschläge, wie man seine Wohnung entrümpeln kann: sei es mit dem Minimalism-Game, der Minimalism-Challenge, einer Packing-Party oder dem Project 333 für den Kleiderschrank. Ich persönlich habe keine der Methoden verwendet, sondern in meinem Zimmer begonnen. Da ich nie besonders viel Besitz hatte, fiel mir die Methode an einer Stelle anzufangen und irgendwann zu einer neuen überzugehen, leicht. Aber ich kann den vorgeschlagenen Ansätzen durchaus viel abgewinnen. Welchen Weg auch immer du einschlägst, meiner Erfahrung nach ist es das Wichtigste jetzt anzufangen – jetzt und nicht irgendwann.

Ich habe mich damals in meinem Zimmer umgeschaut und entdeckt, dass ich doch mehr unnötige Dinge als ich dachte besitze: Kleidung, die ich nicht mehr trug, Bücher, die ich kein zweites Mal lesen würde und vielen weiteren Kleinkram, den ich nicht benutzte oder der mir gar nicht (mehr) gefiel. Ich sortierte rigoros aus. Kleidung wurde fotografiert und online eingestellt oder zum fairen Altkleidercontainer gebracht, Bücher wurden an Wiederverkäufer gesendet, an Freunde oder Familie verschenkt oder in einer Spendenbox gesammelt. Nach meinem Zimmer kamen der Flur und das Wohnzimmer dran, außerdem schnappte ich mir den Frechfuchs und sortierte den Keller aus.

Ich finde bei diesem Schritt ist es sehr wichtig, sich selbst nicht zu überfordern und das Ausmisten erst auf kleine Bereiche zu beschränken. Sinnvoll ist es zudem die aussortierten Sachen direkt weg oder zumindest aus der Sichtweite zu bringen. Ansonsten kann es sein, dass du den einen oder anderen Gegenstand doch behalten willst. Mir ging es bei Kleidungsstücken und Handtaschen so. Nachdem ich sie online gestellt hatte und jemand anfragte konnte ich sie doch nicht loslassen. Von daher empfiehlt es sich, solche Portale nur für Dinge zu verwenden, bei denen man sich nicht ganz sicher ist. Alles andere sollte gespendet werden und wirklich unbrauchbare Dinge wandern am besten direkt in die entsprechende Mülltonne.

Ganz besonders wichtig ist mir auch: während der Entrümpelungsphasen keine neuen Dinge anzuschaffen. Das Loslassen wird dir Raum geben, den du tendenziell wieder füllen werden willst. Doch damit tappst du leider in dieselbe Falle, die dich dazu gebracht hat aussortieren zu müssen. Sollte es dir doch passieren, dass du etwas Neues gekauft hast, mach dir am besten schnellstmöglich Gedanken darum, ob du diese neue Sache wirklich benötigst oder einfach nur schön, lustig oder sonst was fandst. Wenn diese Sache nicht notwendig ist, empfehle ich dir dein 14-Tage-Rückgaberecht in Anspruch zu nehmen. In dem gegenteiligen Fall, dass diese neue Sache tatsächlich von dir benötigt wird, rate ich dir dafür zusätzlich einiges loszulassen, das du bereits besitzt. Also eine Art „1 in, 10 out“-Regel. Diesen Ansatz erachte ich insbesondere für die Anfangsphase als sinnvoll.

Andererseits kann das Ausmisten einen regelrechten Rauschzustand auslösen. So kann es passieren, dass du dich plötzlich so befreit fühlst, dass du am liebsten alles weg geben würdest. An dieser Stelle macht es Sinn, einen Moment inne zu halten und daran zu denken, dass man nicht alles weg geben will um sich dann später doch wieder alles Mögliche neu anzuschaffen. Wenn Minimalisten gefragt werden, ob sie das Weggeben von Dingen später bereut hätten, so können die meisten ein oder zwei Sachen nennen. Bei mir waren es Ordner mit Schulmaterialien, die ich jahrelang aufbewahrt und dann vor einem Umzug weggeworfen hatte. Als ich selbst Lehrerin wurde, hätte ich gerne nochmal hinein geschaut. Wobei ich im Nachhinein denke, dass ich mir doch nicht die Mühe gemacht hätte die Unterlagen zu sichten. Von daher scheint mir die Gefahr des „zu viel Loslassens“ sehr gering. Trotzdem kann man erstmal schauen, ob es wirklich etwas für einen ist mit nur einer Tasse, einem Teller und einem Set Besteck zu leben, bevor man die Sachen endgültig spendet. Ich halte es nicht für sinnvoll von einem Extrem zu einem anderen zu wechseln, sondern ein Gleichgewicht zu finden.

Der Schritt zwei wird dich im minimalistischen Leben immer begleiten. Denn im Laufe der Zeit ändern sich persönliche Bedürfnisse und Interessen und so wird es Momente geben, in denen es sinnvoll ist, seinen persönlichen Besitz erneut zu überprüfen.

 

 

 

Der Beitragsbildvektor wurde durch Freepik entwickelt

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